



Art and Science
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Originalprobe eines Stücks des Skytrain Eiskerns gebohrt 2018 in der Westantarktis Sehr schön sichtbar sind die im Eis eingeschlossenen Luftblasen und die einzelnen Eiskristalle die durch den zunehmenden Druck in der Tiefe des Gletschers entstehen (feine Linien). Probengröße ca. 18mm x 50mm, Alter ca. 600 Jahre © Hoffmann
Was ist Art & Science?
Man könnte meinen, dass Wissenschaft und Kunst von ihrer Wesensart so unterschiedlich sind, dass sie keine Verbindung eingehen können. Wo die Kunst sehr subjektiv, vom eigenen Empfinden geprägt ist, ist die Wissenschaft doch stets um Rationalität und Objektivität bemüht. Und doch gibt es zahlreiche Berührungspunkte, die über die rein ästhetische Darstellung wissenschaftlicher Ergebnisse hinausgehen.
Konservierte Schneeflocken von der Arktis bis Antarktis
„Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder,
sondern macht sichtbar.“ (Paul Klee)
Die Forschungsarbeit in den Polargebieten lässt uns immer wieder staunen. Über die Schönheit der Natur, ihre Vergänglichkeit und Perfektion. Dieses Staunen versuchen wir in Kunstobjekten einzufangen und so unsere Faszination an andere Menschen weiter zu geben. Für uns ist die Kunst daher sowohl ein Mittel der Wissenschaftskommunikation als auch Ausdruck unserer persönlichen Begeisterung für die Schönheit der Polarregionen, der Gletscher, der Schneekristalle und des Eises.
Lassen auch Sie sich verzaubern, von zarten Schneeflocken, altem Eis und einer kalten Welt, die den meisten Menschen verborgen bleibt.

transparent konservierte Schneeflocke aus der Antarktis. Gesammelt während Sommermonate an der Neumayer-Station 2026

transparent konservierte Schneeflocke aus Lapland (Finnland). 2025

Schneeflocke aus der Arktis. Gesammelt während der MOSAiC Expedition nahe dem Nordpol

transparent konservierte Schneeflocke aus der Antarktis. Gesammelt während Sommermonate an der Neumayer-Station 2026

Die Idee
Was bewegt uns Wissenschaft und Kunst zu verbinden
Die Natur bringt auf allen Größenskalen viele einzigartige und teils auch sehr schnelllebige Dinge zum Vorschein. Mächtige und bizarr wirkende Eisberge, faszinierende Kristallgebilde, die in Eishöhlen wachsen, bis hin zu fragilen Schneeflocken, die sich wiederum aus tausenden einzelner Kristalle zusammen setzen. Wer im Winter schon einmal versucht hat, einen Schneekristall auf seinem Pullover oder Handschuh zu betrachten, weiß wie vergänglich diese kleinen Schönheiten sind. Ein Lufthauch genügt und sie zerbrechen oder tauen an. Es scheint schier unmöglich eine echte Schneeflocke länger betrachten oder aufzubewahren zu können.
So ging es uns auch am Anfang unserer Überwinterung auf der Neumayer Station III im Dezember 2017. Seitdem versuchen wir uns an Methoden diese einzigartigen Gebilde festzuhalten und zu konservieren. Das ist im Grunde keine neue Idee. Schon Anfang der Sechzigerjahre haben Wissenschaftler versucht in den Polarregionen Schneeflocken zu konservieren, um sie später im Labor zu untersuchen und zu kategorisieren. Allerdings mit mäßigem Erfolg oder nur unter enormem technischen Aufwand. Wir haben es mit einfachen Mitteln geschafft.
Unsere Forschungsgebiete sind die kalten und eisigen Regionen dieser Welt. Aufgrund unserer Arbeit kommen wir immer wieder in engen Kontakt mit den spürbaren Auswirkungen des Klimawandels. Die zarten und fragilen Eisgebilde sehen wir daher als Symbol für die Vergänglichkeit und Fragilität unseres Planeten. Wir möchten so eine Brücke schlagen zwischen den harten Fakten der Klimaforschung und der vergänglichen Schönheit der Natur. Die künstlerische Darstellung betrachten wir als Mittel nicht nur die Faszination unserer Arbeit, sondern auch die teilweise unbequemen Wahrheiten des Klimawandels den Menschen näher zu bringen.
In unseren Projekten und Skulpturen arbeiten wir mit echten konservierten Schneeflocken, Eiskristallen, Eisproben und mit vielen anderen Materialien mit Bezug zu den Polarregionen und Gletschern dieser Welt. Wenn es sich ergibt, beziehen wir zusätzlich alle Materialien und Geräte rund um unsere dazugehörige Wissenschaft und Forschung mit ein. Viele unserer Projekte haben einen wissenschaftlichen Hintergrund und erzählen Geschichten, die über die pure Ästhetik der Eiskristalle hinaus gehen. Details dazu finden Sie immer in der Beschreibung des jeweiligen Projekts.
Laser-Labor Universität Cambridge und Kühlraum BAS British Antarctic Survey
© Hoffmann
Wie machen wir das
Wir verwenden vier eigens entwickelte Klebstoff bzw. Fixiermittelarten, die wir in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich weiterentwickelt haben. Ein wesentlicher Bestandteil unserer Arbeit ist dabei der bewusste Verzicht auf gesundheitlich und ökologisch belastenden Verfahren wie in den 60er Jahren. Stattdessen setzen wir auf moderne Materialtechnologien und innovative Konservierungsmethoden.
Jedes unserer Fixiermittel wurde für spezifische Konservierungsverfahren konzipiert und wird zusätzlich individuell an die physikalischen und strukturellen Eigenschaften des jeweiligen Objekts angepasst. Dadurch lassen sich selbst hochsensible und feinstrukturierte Eiskristalle und Eisproben präzise und dauerhaft konservieren.
Von zentraler Bedeutung sind hierbei der Temperaturbereich während des Verarbeitungsprozesses sowie die daraus resultierende Viskosität des jeweilig verwendeten Fixiermittels. Diese Faktoren beeinflussen maßgeblich das Eindringverhalten, die Stabilisierung und die spätere Aushärtung. Ebenso entscheidend ist die gewählte Konservierungsmethode, da sie sowohl die Reaktions- und Aushärtezeiten als auch den möglichen Einsatz einer UV-härtender Komponente im Fixativ bestimmt.
Insbesondere bei extrem feinen und empfindlichen Strukturen, wie Eiskristallen oder mehrere hunderttausend Jahre alten Eisproben, spielt der zeitliche Ablauf des Konservierungsprozesses eine entscheidende Rolle. Nur durch exakt abgestimmte Verfahren lassen sich derartige mikroskopische Details in ihrer natürlichen Struktur sichtbar und dauerhaft erhalten.
Wir arbeiten mit einer Abbildungsgenauigkeit im unteren Mikrometerbereich (µm) und erreichen dadurch eine außergewöhnlich hohe Detailtreue selbst bei diesen kleinsten komplexesten Strukturen.
Abhängig von Zusammensetzung und Mischungsverhältnis können unsere Fixiermittel gezielt auf unterschiedliche Eigenschaften eingestellt werden:
-von weich und elastisch bis hin zu extrem hart,
-von innen ausblühenden Oberflächen bis zu hochtransparenten Strukturen
-witterungs- und UV-beständig
- u.v.m.
Neues hoch transparentes Konservierungsverfahren (wie frisch gefallen)

frisch gefallen
frisch gefallener Eiskristall auf einer Skalpelspitze
Lapland 2025

konserviert
transparent konservierter Eiskristall
Antarktis 2026

transparent konservierter Eiskristall
Antarktis 2026
Weiß ausblühndes Konservierungsverfahren

konservierter Eiskristall
Lapland 2025

konservierter Eiskristall
Arktis 2019

konservierter Eiskristall
Antarktis 2018
Transparent konservierter Abdruck eines Stücks eines 400'000 Jahre alten Eisborkerns

Wie arbeiten wir
Aufbau zur Schneekristallkonservierung
© Hoffmann
Schneeflockengalerie von verschiedenen Expeditionen

Größenvergleich: Schneeflocke VS Streichholz
Konservierte Schneeflocken von der Polarsternfahrt PS123

Schneeflocke aus dem Antarktischen-Sommer gesammelt im Weddelmeer auf Polarstern während der Überfahrt PS123 Bremerhaven-Neumayer 2021

Schneeflocke aus dem Antarktischen-Sommer gesammelt im Weddelmeer auf Polarstern während der Überfahrt PS123 Bremerhaven-Neumayer 2021

Schneeflocke aus dem Antarktischen-Sommer gesammelt im Weddelmeer auf Polarstern während der Überfahrt PS123 Bremerhaven-Neumayer 2021

Schneeflocke aus dem Antarktischen-Sommer gesammelt im Weddelmeer auf Polarstern während der Überfahrt PS123 Bremerhaven-Neumayer 2021
Konservierte Schneeflocken aus dem Arktischen Winter

Schneeflocke aus dem arktischen Winter gesammelt während des ersten Fahrtabschnitts der MOSAiC Expedition Nahe des Nordpols

Schneeflocke aus dem arktischen Winter gesammelt während des dritten Fahrtabschnitts der MOSAiC Expedition Nahe des Nordpols

Schneeflocke aus dem arktischen Winter gesammelt während des ersten Fahrtabschnitts der MOSAiC Expedition Nahe des Nordpols

Schneeflocke aus dem arktischen Winter gesammelt während des ersten Fahrtabschnitts der MOSAiC Expedition Nahe des Nordpols
Originalgröße der Schneeflocken

Konservierte Schneeflocken aus dem Antarktischen Sommer

Schneeflocke aus dem Antarktischen-Sommer gesammelt während der Sommersaison an Neumayer 2021

Schneeflocke aus dem Antarktischen-Sommer gesammelt während der Sommersaison an Neumayer 2021

Schneeflocke aus dem Antarktischen-Sommer gesammelt während der Sommersaison an Neumayer 2021

Schneeflocke aus dem Antarktischen-Sommer gesammelt während der Sommersaison an Neumayer 2021
Konservierte Schneeflocken aus dem Antarktischen Winter

Schneeflocke aus dem Antarktischen-Winter gesammelt an der Neumayer-Station III 2018

Schneeflocke aus dem Antarktischen-Winter gesammelt an der Neumayer-Station III 2018

Schneeflocke aus dem Antarktischen-Winter gesammelt an der Neumayer-Station III 2018

Schneeflocke aus dem Antarktischen-Winter gesammelt an der Neumayer-Station III 2018
Konservierte Schneeflocken aus den
österreichischen Alpen

Schneeflocke aus den österreichischen Alpen, gesammelt am Wöllaner Nock / Arriach, Februar 2022

Schneeflocke aus den österreichischen Alpen, gesammelt am Wöllaner Nock / Arriach, Februar 2022

Schneeflocke aus den österreichischen Alpen, gesammelt am Wöllaner Nock / Arriach, Februar 2022

Schneeflocke aus den österreichischen Alpen, gesammelt am Wöllaner Nock / Arriach, Februar 2022






Wie entsteht eine Schneeflocke?

Die Entstehung eines Schneekristalls beginnt immer mit den richtigen atmosphärischen Bedingungen. Temperatur und Luftfeuchte müssen stimmen und einem Eiskeim muss vorhanden sein. Als Eiskeim können zum Beispiel Mineralstaub, Rußpartikel oder biologisches Material (Aerosole) dienen, welche als Katalysatoren für den Phasenwechsel (Übergang des unterkühlten Wassers zu Eis) dienen. Wenn es kalt genug ist (unter -38°C), wie in den Polarregionen, können Schneekristalle auch ohne Aerosole oder Partikel als Eiskeim entstehen.
Je nachdem welche unterschiedlichen Luft- Temperatur- und Wolkenschichten die Kristalle auf ihrem Weg zum Boden durchlaufen bildet sich eine Vielzahl verschiedenener Formen aus. Bei trockener Luft entstehen eher Prismen und Plättchen, daraus entwickeln sich die typischen Schneeflockenformen wie man sie sich vorstellt. Die charakteristische hexagonale Form von Schneekristallen ergibt sich aus der Anordnung der Atome der Wassermolekülen beim Frieren. Aktuell unterscheidet man ca. 108 Typen von Schneekristallen. Und dennoch ist jeder Schneekristall für sich einzigartig wie ein Fingerabdruck und weist bei genauer Betrachtung minimale Unterschiede auf.
Auf ihrem Weg durch die Wolkenschichten verhaken sich die einzelnen Schneekristalle untereinander und es bilden sich schließlich Schneeflocken. Diese können Größen von Walnüssen erreichen. Das passiert aber nur bei Temperaturen um die 0°C. Einzelne Kristalle, die unbeschädigt die Erdoberfläche erreichen, sind also wahre Raritäten.
Kategorisierung von Eiskristallen nach Kikuchi et al. 2013 (Atmospheric Research)

Ukichiro Nakaya (1954, Harvard University Press)
Aufbau zur Schneekristallkonservierung
© Hoffmann


Online Ausgabe Tagesschau.de

Schneeflocke für die Bildungsministerin


Expedition in eiene schwindene Welt
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